BRÜDER DER NACHT

Patric Chiha, AT, 2016
88 min., OmdU
Spielfilm
Junge bulgarische Boys in der Wiener Freiheit! Sie verkaufen zwar ihre Körper, nicht aber ihre Träume. Ein schillerndes Stück Parallelwelt, das einlädt zum Perspektivwechsel. Raus aus der täglichen Blase und rein in die fluoreszierende Nacht!

Bitte um Reservierung und Abholung mindestens 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Beim Ticketkauf und Einlass gilt nach wie vor Maskenpflicht.

Zarte Burschen bei Tag, Könige bei Nacht: Das sind die jungen bulgarischen Roma, die nach Wien kommen, auf der Suche nach Freiheit und dem schnellen Geld. Sie verkaufen ihre Körper, als wären die alles, was sie haben. Was sie wärmt, fern von zu Hause, ist das Gefühl zusammen zu gehören. Aber die Nächte sind lang und unberechenbar.

Ein Kapitän, ein Schiff, zwei Matrosen, die Donau, im Hintergrund die Wiener Skyline. Ob das gespielt ist oder echt, ist nicht die Frage. Die Protagonisten in Brüder der Nacht gibt es wirklich, sie sind bulgarische Roma, keine Schauspieler, auch wenn sie sich gern selbst verliebt zur Schau stellen und spielen, manchmal wie Tigerjungen, manchmal wie die schwulen Matrosen aus Fassbinders Querelle, manchmal wie Marlon Brandos Enkel, die ihre Lederjacken wie Schutzhüllen tragen. Armut und Abenteuerlust haben sie nach Wien gebracht. Sie verkaufen ihre Körper, weil sie sich ihr Leben nicht als Bettler oder Zeitungverkäufer verdingen wollen. Ihre Kunden sind einsame, meist ältere Männer aus dem Gemeindebau. Mit ihnen machen sie ‚Business’, als ob das Wort eine klare Grenze zwischen Arbeit und Lust ziehen könnte.

Es ist eine künstliche Welt in der realen, und sie ist temporär. Die Bulgaren haben den Platz der Rumänen eingenommen, die nach Italien weitergezogen sind. Wahrheit und Lüge! Nüchternheit und Rausch! Ein Leben zwischen den Welten. In Bulgarien die Heirat mit 16. Das Kind sechs Monate später. Die wirtschaftliche Not der Verwandtschaft. Man muss weg. Und dann in Wien das blau-rosa Nachtleben im Café Rüdiger, die Macho-Sprüche, die Phantasie vom großen Geld, das sich in blinkenden Gürtelschnallen und schwarzen Schrottkarren materialisiert. Es wird geflunkert und geprahlt, was das Zeug hält. In der Nacht ist alles möglich. Unter Brüdern.

Ein kleines Werk von großer Empathie und Solidarität. Die Presse

Ein Film, der mehr über Entwurzelung, Fremde und Neuanfänge erzählt, als jede Nachrichtensendung. Ö1